Das Projekt „Protest- und Medienkulturen im Umbruch. Transnationale Corporate Campaigns im Zeichen digitaler Kommunikation“ konzentriert sich auf den Zusammenhang zwischen dem Umbruch von Medienkulturen und dem Wandel von Protestkulturen. Im Mittelpunkt steht dabei die Untersuchung computervermittelter politischer Partizipation im Rahmen so genannter transnationaler Corporate Campaigns.



Diese, seit den 1990er Jahren außerordentlich bedeutsam gewordenen Kampagnen, zielen auf eine Änderung der Einstellungen und des Verhaltens von Bürgern als Konsumenten (Consumer Citizen) und richten sich primär gegen einzelne transnationale Konzerne (z. B. Microsoft) bzw. Branchen (z. B. Sportartikelhersteller). Hintergrund der neuen Zielrichtung politischen Protests ist der Machtgewinn multinationaler Konzerne gegenüber nationalen Regierungen und internationalen Organisationen bedingt durch fortschreitende ökonomische Globalisierung im Zeichen neoliberaler Reformpolitik. Durch ihre vorwiegend imagezentrierten Marketingstrategien werden global agierende Unternehmen angreifbar für Protestbewegungen, die vor allem von neuen medialen Gelegenheitsstrukturen durch den Medienumbruch von analogen zu digitalen Technologien profitieren. Während massenmedial kommunizierte Unternehmens-PR und Produktwerbung die Bedingungen für die Verbreitung von Produkt- und Firmenimages gelegt haben, wird mit dem Übergang zur multimedialen Gesellschaft, insbesondere durch das Internet, die technische Möglichkeit einer Transformation politischen Protests in Richtung transnationaler Konsumentenkampagnen eröffnet.

Mit der Entwicklung des Internets bilden sich neue technische Möglichkeiten, zu geringen Kosten, in enormer Geschwindigkeit und jenseits der Selektionszugriffe journalistischer Gatekeeper sowie zensierender Eingriffe staatlicher Instanzen, räumlich entgrenzte Protestnetzwerke zu mobilisieren.

Neben der Auswirkung der Internetkommunikation auf die Struktur von Protestorganisationen und auf die Vernetzung zwischen lokalen, nationalen und transnationalen Akteuren untersucht das Projekt Arenen, Handlungsprogramme und Deutungsrahmen der Kampagnen sowie Formen der kollektiven Identitätsstiftung und Protestinszenierung im Netz.

Das Projekt ist seit Juli 2005 im Sonderforschungsbereich 615 der Deutschen Forschungsgemeinschaft an der Universität Siegen angesiedelt. Der Sonderforschungsbereich „Medienumbrüche, Medienkulturen und Medien- ästhetik zu Beginn des 20. Jahrhunderts und im Übergang zum 21. Jahrhundert“ und das zugehörige Forschungskolleg untersuchen Medienumbrüche in ihrer Bedeutung für die Entstehung und Veränderung von Medienkulturen und für die Entwicklung der Medienästhetik. Im Unterschied zu vergleichbaren Forschungsprojekten schließt das Forschungskolleg sowohl technologische Aspekte als auch anthropologische, kulturhistorische, literatur- und sozialwissenschaftliche Fragestellungen ein. Zu dieser transdisziplinären und interkulturellen Untersuchungsperspektive trägt das Teilprojekt „Protest- und Medienkulturen im Umbruch“ bei, indem es die Bedeutung neuer medialer Gelegenheitsstrukturen für Formen postkonventioneller und die Grenzen des Nationalstaats überschreitender politischer Partizipation herausarbeitet.

Projektstart: 01. Juli 2005

Projektlaufzeit: 4 Jahre




Vergangene Veranstaltungen



Konferenz "Social Web - Towards Networked Protest Politics"

Universität Siegen

7.-8. November 2008


Das Projekt lädt zu der Konferenz "Social Web - Towards Networked Protest Politics", ein, die am 7. und 8. November 2008 im Artur-Woll-Haus der Universität Siegen stattfinden wird. Das Ziel der englischsprachigen Konferenz besteht darin, darüber zu diskutieren, welche Auswirkungen Web 2.0 in Bezug auf Issue Framing, Planungen von Arbeitskämpfen, auf sich wandelnde Ansichten von Öffentlichkeit und Privatheit sowie auf neue Organisationsstrukturen haben wird. Außerdem geht es darum, Antworten auf die Frage zu fnden, ob die Einführung und Verbreitung von Web-2.0-Technologien zur Entstehung einer neuen Form von Protestpolitik geführt hat.

Konferenz-Flyer

Plattform zur Konferenz

Artikel der Medienpublikation "iRevolution" (englischsprachig)

Artikel der Medienpublikation "iRevolution" (englischsprachig)

Artikel des Blog "netzpolitik.org" (deutschsprachig)

Artikel des Blogs "netzpolitik.org" (deutschsprachig)



Workshop "Webcampaigning @ public sphere(s)"

Universität Siegen

9. November 2007


Das Projekt lädt zu dem Workshop "Webcampaigning @ public sphere(s)" ein, der am 9. November 2007 im Artur-Woll-Haus der Universität Siegen stattfinden wird. Das Ziel des englischsprachigen Workshops besteht darin, darüber zu diskutieren, welche wechselseitigen Beziehungen zwischen der Kampagnenpolitik und dem Internet bestehen.


Workshop-Information (In englischer Sprache)



Workshop "Konsumenten und Unternehmen als Bürger. Bürgerschaft als politische Dimension des Marktes?"

Universität Siegen

9. November 2006


Am 9. November 2006 hat das Projekt zu dem Workshop "Konsumenten und Unternehmen als Bürger. Bürgerschaft als politische Dimension des Marktes?" eingeladen. Im Artur-Woll-Haus der Universität Siegen diskutierten Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen sowie Praktiker aus Nichtregierungsorganisationen, ob und inwiefern Konzepte von Bürgerschaft auf Verbraucher und Unternehmen anwendbar sind.


Workshop-Flyer

Programm





Das Projekt in den Medien